Du liebst es, mit deiner Häkelnadel kreative Projekte zu zaubern – aber hast Lust auf etwas Neues? Dann ist das tunesische Häkeln genau das Richtige für dich!
Diese besondere Technik liegt gerade voll im Trend und sorgt für ganz neue Maschenbilder, die irgendwo zwischen Häkeln und Stricken liegen.
In diesem Beitrag zeigen wir dir:
- was tunesisches Häkeln eigentlich ist,
- wie es sich vom klassischen Häkeln unterscheidet,
- wie du den Grundstich lernst,
- und zwei einfache Muster zum Ausprobieren.
Also: Nadel raus, Lieblingsgarn schnappen – und los geht’s!
Was ist tunesisches Häkeln?
Die genaue Herkunft des tunesischen Häkelns ist unklar, aber die Technik – manchmal auch Afghan Crochet genannt – wird vermutlich aus dem nordafrikanischen Raum stammen, möglicherweise inspiriert von einer Webkunst aus Tunesien. Es verbindet die besten Eigenschaften von Häkeln und Stricken: du arbeitest mit einer langen Häkelnadel, ähnlich wie eine Stricknadel, und lässt dabei alle Maschen auf der Nadel, bevor du sie in der Rückreihe wieder abarbeitest.
Das Ergebnis?
Ein dichtes, stabiles Gewebe mit einer ganz eigenen Struktur – perfekt für Taschen, Decken, Mützen oder Kleidungsstücke, die etwas fester sein dürfen.
💡 myboshi-Tipp: Tunesisches Häkeln ist ideal, wenn du gerne gleichmäßige Maschen magst – und dich an neuen Techniken ausprobieren willst!
Was ist der Unterschied zum normalen Häkeln?
| Normales Häkeln 🧶 | Tunesisches Häkeln 🪡 |
|---|---|
| Jede Masche wird direkt abgeschlossen | Alle Maschen bleiben zunächst auf der Nadel |
| Normale Häkelnadel | Lange tunesische Nadel (mit Stopper oder Seil) |
| Weiches, flexibles Maschenbild | Fester, gewebter Look |
| Nur eine Bewegung pro Reihe | Zwei Arbeitsschritte (Hin- und Rückreihe) |
Der Grundstich – Tunesischer Grundstich (TSS)
Der Tunesische Grundstich (Tunisian Simple Stitch, TSS) ist die Basis aller Muster in dieser Technik. Er sieht aus wie kleine senkrechte Striche und lässt sich ganz einfach lernen.
So geht’s:
1. Maschenaufnahme (Hinreihe):
Schlage eine Luftmaschenkette in deiner Wunschlänge an.
Stich von rechts nach links in die Luftmasche ein, hol den Faden durch – und lass die neue Schlinge auf der Nadel.
Wiederhole das bis zum Reihenende.
2. Maschenrücknahme (Rückreihe):
Jetzt arbeitest du die Maschen wieder ab:
Die erste Masche ist die Randmasche und wird immer einzeln abgemascht. Alle folgenden Maschen werden immer zu zweit abgemascht:
Umschlag, Faden durch eine Schlinge ziehen (Randmasche), dann immer Umschlag, Faden durch zwei Schlingen ziehen – bis nur noch eine Masche übrig bleibt.
3. Neue Hinreihe:
Jetzt nimmst du wieder neue Maschen auf:
Stich von rechts nach links in die vordere senkrechte Maschenschlinge ein, hol den Faden durch – und lass die neue Schlinge auf der Nadel. Wiederhole das bis zum Ende, und masche in der Rückreihe wieder genauso ab, wie in der ersten Reihe.
Voilà! Deine erste Reihe tunesischer Grundstich ist fertig.
Tipp: Verwende beim tunesischen Häkeln eine halbe bis ganze Nadelstärke größer als gewohnt – so wird das Maschenbild lockerer und das Werk rollt sich weniger.
Zwei einfache Muster für den Einstieg
Muster 1: Tunesischer Strickstich (TKS)
Der tunesische Strickstich sieht – wie der Name verrät – aus wie gestrickt.
Er entsteht, wenn du den Faden durch die Mitte der senkrechten Maschenschlinge holst.
Du beginnst wie beim Grundstich mit deiner Luftmaschenkette und deiner ersten Hin- und Rückreihe. Diese sind bei jedem Muster gleich.
In deiner nächsten und allen folgenden Hinreihen stichst du nun durch die ganze Masche hindurch, und holst dir den Faden. Abgemascht wird wie beim Grundstich.
Aussehen: Strickoptik mit kleinen „V“-Maschen
Tipp: Ideal für Schals, Mützen oder Pulloverteile
Variante: Mit Farbwechsel entsteht ein schöner Melange-Effekt
Muster 2: Tunesische Büschelmasche
Die Büschelmasche ergibt ein tolles, strukturiertes und dickes Muster – perfekt für Decken, Taschen oder Kissen.
Du beginnst auch hier wieder mit deinem Grundstich und der ersten einfachen Hin- und Rückreihe.
1. Steche nun in die erste Masche nach der Nadel ein, hol dir den Faden und ziehe ihn nach oben. Er darf etwas lockerer sein, als gewohnt.
2. Mache einen Umschlag, steche in die gleiche Masche noch einmal ein, hole den Faden.
3. Mache wieder einen Umschlag, steche in die gleiche Masche und hole den Faden erneut nach oben. Du hast nun 5 Schlingen auf deiner Nadel.
4. Gehe zur nächsten Masche und wiederhole die Schritte 1-3 bis zum Ende der Reihe.
5. Häkle in die Randmasche zwei Luftmaschen, um auf die Höhe der Büschelmaschen zu kommen, hol dir den Faden und masche die Randmasche einzeln ab.
6. Hole den Faden und ziehe ihn durch die Büschelmasche. Du häkelst hierbei 5 Schlingen mit einmal ab.
7. Hole den Faden erneut und häkle eine Luftmasche – so entsteht das Loch, in das du in den folgenden Hinreihen deine Büschelmasche einarbeitest.
8. Faden holen und wieder durch das Maschenbündel häkeln. Schritt 6-7 wiederholen bis zum Ende der Reihe.
In den nächsten Reihen häkelst du deine Büschelmaschen immer in die Luftmasche, also das kleine Loch zwischen den Büschelmaschen.
Aussehen: leicht erhabenes, wabenartiges Muster
Tipp: Besonders schön bei zweifarbigen Projekten!
Schwierigkeitsgrad: einfach bis mittel
Extra-Tipp: Wenn du den Rand mit festen Maschen umhäkelst, rollt sich das Werk weniger ein – und du bekommst einen sauberen Abschluss.
Häufige Fragen & Tipps
Warum rollt sich das Gewebe ein?
→ Das ist ganz normal beim tunesischen Häkeln. Du kannst dem mit Randmaschen, größeren Nadeln oder einem Umhäkeln entgegenwirken.
Welche Wolle eignet sich?
→ Am besten funktionieren glatte, nicht zu flauschige Garne – wie z. B. unsere myboshi No. 1, myboshi No.2, bamboo oder Samt.
Kann man tunesisch in Runden häkeln?
→ Ja! Dafür brauchst du eine tunesische Rundnadel mit flexiblem Seil. Ideal für Mützen oder Beanies.
Fazit & Inspiration
Tunesisch Häkeln ist die perfekte Mischung aus Stricken und Häkeln – und eine tolle Möglichkeit, deine Handarbeitswelt zu erweitern.
Sobald du den Grundstich beherrschst, eröffnen sich unzählige Muster und Kombinationsmöglichkeiten.
Unser Tipp: Probier’s einfach aus!
Nimm dir ein Knäuel deiner Lieblingswolle und experimentiere – du wirst überrascht sein, wie vielseitig die Technik ist.
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